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Wenn gesunder Menschenverstand mit der "Mehrheitsmeinung" kollidiert

oder auch: Wie Teile unserer Geschichte verschwinden.

Dass man als Autor die eine oder andere Verantwortung trägt, ist bekannt. Als Jugendbuchautor hat man zum Beispiel die Aufgabe, Identifikationsfiguren zu schaffen, die Jugendlichen als Vorbild dienen können, ohne dabei zerstörerische Klischees und Ähnliches weiterzutragen. Aber auch als Autor für Bücher, die Erwachsene ansprechen sollen hat man eine ähnliche Verantwortung.
Manchmal stellt man dabei fest, dass man sich selbst an der Nase packen muss, weil man eben selbst auch nicht frei von Vorurteilen etc. ist. Und weil man eben auch ein Kind der jeweiligen Gesellschaft ist. Aber manchmal stellt man dann auch fest, dass für einen selbst Dinge feststanden, die die Gesellschaft bisweilen nicht wahrhaben mag.

Als Autor schlägt man sich eben auch mit Dingen wie z.B. der Genderdiskussion herum. Über den Tintenzirkel bin ich dabei auf folgenden Artikel gestoßen: http://aidanmoher.com/blog/featured-article/2013/05/we-have-always-fought-challenging-the-women-cattle-and-slaves-narrative-by-kameron-hurley/
Und jener Artikel schreibt letzten Endes über das, was mir spätestens in dem Moment klar war, als ich mit Kampfsport angefangen habe. Dass heutzutage Mädchen durchaus die Möglichkeit haben, auch Kampfsport zu machen, mag wenig verwunderlich sein. Aber spätestens, als ich mit Karate begann, habe ich zum einen gesehen, dass es für Mädchen und Frauen nicht härter ist, als für Jungs und Männer. Einige Wurftechniken etc. sind für die häufig doch körperlich unterlegenen Frauen nicht unbedingt umsetzbar, aber dafür gibt es andere Techniken, die genau das ausgleichen.
Und so kam ich in meinen jungen Jahren gar nicht auf die Idee, dass es anders sein könnte, als dass es schon immer kämpfende Frauen gegeben hat. Die einfache Logik dahinter war für mich: "Wenn jahrhundertealte Techniken heute für Frauen funktioniere, haben sie das auch früher getan, also wurden sie auch früher angewendet."
Und dann wurde ich älter, kam zum Schreiben und musste auch lernen, dass es Menschen gab, die meine Kampfkunstbegeisterung naserümpfend betrachteten. Und ich kam zum Geschichtsunterricht in der Schule und stieß irgendwie nur auf Männer. Fragte man nach kämpfenden Frauen kam vielleicht Jeanne d'Arc, vielleicht packte irgendjemand noch die, jedoch schnell wieder in Reich der Legenden verwiesenen, Amazonen aus und das wars dann auch schon. Mit Sicherheit real existierende kämpfende Frauen wie Boudicca, Grace O'Malley und Caterina Sforza, um nur einmal einige Europäerinnen zu nennen, sind irgendwie komplett aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden.
Gut, man könnte jetzt natürlich die Theorie anführen, dass es daher kam, dass sie gescheitert sind. Boudiccas Rebellion wurde niedergeschlagen, Caterina Sforza konnte sich ebenfalls nicht ewig gegen die Borgias und die Medicis wehren. Aber es sind auch andere Rebellionen gescheitert und deren Anführer wurden trotzdem berühmt. Und Grace O'Malley wurde z.B. von Königin Elizabeth I. höchstpersönlich begnadigt.
Von daher greift die Theorie in meinen Augen nicht. Es ist wohl viel eher so, dass die Allgemeinheit solche Menschen gerne vergisst, um bequem bei den alten Denkmustern bleiben zu können, wo auch immer die herkommen.
Es ist nur manchmal interessant, wenn man als Querdenker dann auf einmal Beweise dafür bekommt, dass der gesunde Menschenverstand eben doch noch funktioniert und die Geschichte sich eben nicht den Wünschen mancher Menschen beugt.
Und wenn das nächste Mal irgendjemand erzählt, dass es in der Zeit vor den heutigen Schusswaffen einer Frau ja gar nicht möglich war, gegen die Männer anzukommen, dann kann ich, die selbst Langschwertfechten betreibt, nur müde lächeln.

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