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Scheue Muse

Ich liege ganz still, im Halbschlaf auf meinem Bett und sehe unweit von mir eine Muse, die an dem zarten Gefelcht einer Formulierung webt. Ich sehe gleich, dass es eine von jenen seltenen GEschöpfen ist, die perfekte Formulierungen mitbringen.
Ich liege ganz still, um das scheue Geschöpf nicht zu verschrecken, denn eine einzige, unbedachte Bewegung wird nicht nur die Muse verscheuchen, sondern auch das feine Gespinst zerstören und die Fomulierung für immer vernichten.
Ich hebe ganz vorsichtig meine Hand, in der Hoffnung, dass die Muse das Gespinst auch um meine Hand spinnt, dass ich es in den Wachzustand mit hinüber nehmen kann.
Langsam nährt sich die Muse, ich kann die feinen Fäden schon sehen, die Formulierung hören und ich weiß, dass das ein Schmuckstück in meinem Geschriebenen werden kann - da zerreißt ein schriller Ton die Stille, ich zucke zusammen, das Gespinst zerreißt und die Muse flattert davon.
Ich bin wach und verfluche das blöde Telefon, das eben geklingelt hat.

Ehrlich, warum hat das Hirn keine Backup Funktion!

Comments

Oh, oh, das kenne ich so gut. Letztens habe ich im Halbschlaf den Prolog für mein neues Romanprojekt formuliert. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, konnte ich mich an kein Wort mehr erinnern. ich wusste nur: das, was ich mir da ausgedacht hatte, war brillant. Und es war verschwunden.

Edited at 2013-08-30 04:21 pm (UTC)