?

Log in

No account? Create an account

Denkzettel KW 28: Man kann nicht alles haben!

Erst einmal ein dickes Sorry für die Verspätung. Irgendwie ist meine Muse über das Wochenende in Ferien gefahren und außerdem stecke ich bis über beide Ohren in Arbeit.

Ja, ich weiß, den Titel habt ihr oft gehört, werte Leser! Aber leider leiden viele Menschen unter genau dem. Ich will mich da nicht ausnehmen, ich gehöre genau so dazu.
So wie in den letzten Tagen. Ich habe viel gemalt, sogar ein Bild fertig bekommen, in dem viel Arbeit steckt. Und was ist? Ich bin nicht zufrieden, ich will mehr schreiben und überhaupt. Gestern musste ich mir doch mal selbst einen Tritt verpassen, um mich daran zu erinnern, dass Malen und Schreiben beides zeitaufwändige und fordernde Hobbies sind und damit nicht unbegrenzt gleichzeitig ausgeführt werden können.
Und als ich gestern Abend mit meiner Schwester einen Film geschaut habe, meinte diese, wie schade es doch sei, dass der Gentleman von früher ausgestorben sei. Sie wolle auch so gallant behandelt und mit Handkuss begrüßt werden.
Nun bin ich gemeinhin ein ziemlich unromanischer Mensch. Bei Liebesgedichten werde ich höchstwahrscheinlich eher stöhnend die Augen verdrehen, als schwärmerisch zu seufzen. Aber Ich versuche trotzdem den Standpunkt anderer Menschen zu verstehen. Und so überlegte ich mir: Würde ich so etwas auch wollen? Umworben werden usw., usf. Wenn ich mir ansehe, in welcher Zeit die Gentlemen der alten Schule herumlaufen, muss ich eindeutig sagen: Nein! In dieser Zeit hatte die Frau keinerlei Entscheidungsgewalt in der Familie, durfte ohne Erlaubnis ihres Mannes nicht berufstätig sein und galt gemeinhin nur dann als anständige Frau, wenn sie verheiratet war, bitte möglichst früh und bitte auch gesunde Kinder zur Welt brachte.
Mir bedeutet meine Entscheidungsfreiheit deutlich mehr, als irgendwelche Höflichkeiten, die das Ziel haben, mich ruhig zu halten.
Und außerdem ist da mal wieder etwas anderes. Ich will vor niemand knicksen müssen, genauso wenig, wie irgendjemand vor mir knicksen oder dienern muss. Ich bin ein Mensch und als solchen soll man mich behandeln und genau so will ich auch jeden anderen behandeln können. Nicht als Halbgott oder weiß Gott was.
Dieses "Ich will eine emanzipierte Frau sein, aber die Männer sollen mir gefälligst zu Füßen liegen und mich umschmeicheln", stört mich. Und nicht, weil ich nicht die Person bin, die gemeinhein die Schmeicheleien einheimst. Nicht einmal, weil mich das "Alles und gefälligst sofort" stört. Sondern weil ich mich durch solche Frauen auch wieder in die Postition einer Person gedrängt fühle, die doch wieder nur auf ihr Geschlecht reduziert wird. Ich bin ich. Ich bin zwar rein zufällig weiblich, aber das heißt nicht, dass mich das in irgend einer Weise definiert.
Dieses "Alles haben wollen" fällt mir aber teilweise auch sehr negativ bei manchen Filmen oder Büchern auf. Grundsätzlich sind die Helden und Heldinnen hübsch und können dann auch noch unheimlich viel und sind sooo romantisch und überhaupt. Muss das wirklich alles sein?
Kann der sozialphobische Nerd nicht auch eine interessante Persönlichkeit haben? Oder die chaotische Schussel im Zweifelsfall diejenige sein, die den kühlen Kopf bewahrt?
Und auch Beziehungen sind grundsätzlich von Anfang an perfekt, oder werden mindestens so dargestellt. Und das führt in meinen Augen dazu, dass z.B. bei Beziehungen mehr erwartet wird, als die normalen Menschen geben können. Das frustriert und sorgt für die ständige Bestrebtheit, perfekt zu sein. Ein Ziel, das natürlich nie jemand erreicht.
Also liebe Leser, wenn euch wieder einmal der Frust packt, dann fragt euch doch einfach mal, ob der nicht am Ende daraus resultiert, dass ihr zu viel auf einmal wolltet. Und wenn das der Fall ist, dann sagt euch, dass niemand alles haben kann und der Frust wird sich bald verziehen!

Comments

Amen!